CHRONIK

Die Bebraer Schreinerei und Treppenbaufirma feierte 2002 ihr 50-jähriges Firmenjubiläum. Die eigentlich zu diesem Anlass geplanten Feierlichkeiten wurden aufgrund des Elbe-Hochwassers abgesagt. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschloss das Unternehmen, anstelle der Jubiläumsfeier eine Spende für die betroffenen Hochwasseropfer zu machen.

In 2001 lieferte das Unternehmen in Dresden - Pesterwitz die Innentreppenanlagen für sechs Einfamilienreihenhäuser. Von dem zuständigen Architekten Lothar Burghardt wurde man darüber informiert, dass diese Häuser im Zuge des Hochwassers bis zur Mitte des Erdgeschosses unter Wasser standen. Die Treppenstufen aus Buche waren allesamt nicht mehr zu gebrauchen. Hier bot sich Anlass, schnell und unbürokratisch zu Helfen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern wurde kurzerhand beschlossen, die benötigten neuen Treppenstufen kostenlos anzufertigen und einzubauen.

 

Am 06. November 02 war es dann soweit. Frühmorgens startete das Montageteam von Michael Niering zur Fahrt nach Dresden. Die betroffenen Familien freuten sich über die unerwartete Spende und konnten bereits nach zwei Montagetagen über ihre neuen Treppenstufen gehen. Insgesamt wurden bei drei der sechs Hochwassergeschädigten Einfamilienhäusern die Treppenstufen im Zuge der Spendenaktion ausgetauscht. Bei den übrigen Bauherren war dies nicht notwendig, da sie glücklicherweise über eine entsprechende Elementarversicherung verfügten. Das Unternehmen, das heute ca. 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, wurde am 01. Mai 1952 von Rene und Margarete Cavalier gegründet.

 

Mit damals 36 Jahren entschloss sich der Tischlermeister zusammen mit seiner Frau, die Schreinerei von seinem Schwiegervater Konrad Gast zu verlassen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Seinen Meistertitel hatte er in den Vorjahren in diesem Betrieb erworben. Hier hatte er auch als französischer Kriegsgefangener seine spätere Frau Margarete kennen gelernt. In den ersten Jahren nach der Gründung arbeitete er in einer angemieteten Werkstatt in der Friedrichstraße (ehemals Südstraße).

 

Zur Angebotspalette der Bau- und Möbeltischlerei Rene Cavalier zählten neben allgemeinen Tischlerarbeiten auch das Verlegen von Fußböden und Parkett, Innenausbau, Türen- und Fensterbau sowie die Montage von Holzdecken und die Herstellung von Holztreppenanlagen. Einen Großteil der Arbeiten wie Decken- und Akustikverkleidungen wurden in den ersten Jahren nach der Firmengründung im Auftrag der Alliierten Streitkräfte und der Bundeswehrverwaltung in ganz Hessen und den angrenzenden Bundesländern ausgeführt. Zu einem der ersten Großaufträge zählten die Holzdeckenarbeiten in der katholischen Kirche St. Marien in Bebra, die ebenfalls in diesem Jahr ihr 50-zigjähriges Jubiläum feierte.

 

Erst 1964 wurde nach langem Suchen ein Grundstück im Breitenbacher Weg in Bebra gefunden und mit dem Bau der eigenen Werkstatt begonnen. Ein Jahr später 1965 wurden die neuen Betriebsräume bezogen.

 

Seit dieser Zeit wurden bis zum heutigen Tage immer wieder An- und Umbauten an dem Betriebsgebäude vorgenommen. Es wurden Holzlagerhallen, neue Werkstattgebäude und insgesamt drei Trockenkammern errichtet und weitere Grundstücksflächen erworben.

 

Heute produziert das Unternehmen auf einer Gebäudefläche von ca. 1300 qm und einem Firmengelände von ca. 10.000 qm pro Jahr ca. 1.100 Treppenanlagen. In Spitzenzeiten wurden bis zu 1.600 Treppen hergestellt.

 

Nach dem überraschenden Unfalltod des Betriebsinhabers Rene Cavalier 1973 wurde die Firma durch seine Frau Margarete und seinen Sohn Roland weitergeführt. Während dieser Zeit wurde mit der Herstellung von Treppenstufen und Holztreppen für den damals größten Treppenhersteller Deutschlands aus Grünberg begonnen.

 

1975 traf ein erneuter Schicksalsschlag das Unternehmen. Durch einen Spänebrand fiel fast die gesamte Schreinerei den Flammen zum Opfer. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung alle Mitarbeiter-/ innen und durch die solidarische Unterstützung der ortsansässigen Schreinerkollegen konnten die Kundenaufträge trotzdem ausgeführt und die Werkstatt nach nur drei Monaten wieder aufgebaut werden. 1976 erfolgte die Umwandlung der Einzelfirma in die R. Cavalier GmbH Holzverarbeitung und Treppenbau, die künftig von Roland Cavalier alleine geführt wurde.

Bedingt durch die rückläufige Baukonjunktur gingen jedoch die Aufträge als Stufenzulieferer bis 1980 gegen Null zurück. Nach einer Übergangsphase, in der auch verstärkt Innenausbau- und Montagearbeiten auf weiter entfernten Baustellen (Düsseldorf, Krefeld usw.) ausgeführt wurden, entschloss sich Roland Cavalier, eine eigene Fertigung für Stahlholztreppen aufzubauen.

 

1982 wurde hierfür die Firma Vario Treppenbau GmbH zusammen mit seinen neuen Partnern Bernhard Schreiber als Verkaufsleiter für Nordhessen und Burkhard Hollstein als Schreinermeister aus der Taufe gehoben. Der Produktname „Variotreppen“ war geboren und ist heute nicht nur in Branchenkreisen bundesweit als Qualitätsprodukt bekannt. Zunächst begann die Produktion in einem abgetrennten Bereich der Holzzuschnitthalle. Es dauerte jedoch nicht lange, dann wurde die Fläche für die Schlosserei zu klein. Ein weiterer Teil dieser Halle wurde für die Stahltreppenfertigung abgetrennt.

 

1990 zog mit dem neuen Gesellschafter Matthias Hohmann die EDV in das Unternehmen ein. Es wurde ein Computerunterstütztes Treppenkonstruktionssystem installiert und die Buchhaltung auf EDV umgestellt. Durch das CAD-System können individuelle Kundenwünsche noch schneller und besser umgesetzt und erfüllt werden. Der Bauboom nach der Wende ließ den bisherigen Fertigungsbereich aus allen Nähten platzen. So wurde 1992 eine angrenzende Holzlagerhalle in eine neue Schlosserwerkstatt umgebaut. Die frei werdende Fläche des bisherigen Fertigungsbereiches wurde wieder für die Stufen- und Holztreppenproduktion genutzt.

 

Dies war auch dringend nötig, denn bereits zwei Jahre später wurde 1994 die bis dahin größte Einzelinvestition getätigt. Ein computergesteuertes Treppenbearbeitungszentrum wurde in Betrieb genommen. Gleichzeitig mit dieser Anschaffung wurde noch im selben Jahr ein umweltfreundliches Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung angeschafft, um einen störungsfreien Betrieb der neuen CNC-Maschine zu gewährleisten. Die Investition rechnete sich, da die entstehende überschüssige Wärme zur Trocknung von Schnittholz und zum Beheizen der Gebäude verwendet werden konnte. Die Gesamtinvestition hatte ein Volumen von ca. 1,2 Mio. DM.

 

Um die Fertigungs- und Informationsabläufe noch besser bündeln zu können, wurden 1995 die beiden bisher selbstständigen Betriebe Vario-Treppenbau GmbH und R. Cavalier GmbH zu der neuen Firma Cavalier Vario Treppen GmbH verschmolzen. Der bisherige Inhaber Roland Cavalier zog sich seitdem schrittweise aus der Verantwortung und dem Unternehmen zurück. Die Firma steht heute unter der Leitung von Schreinermeister Burkhard Hollstein und Dipl.-Ing. (FH) Matthias Hohmann.

 

Im selben Jahr wurde eine eigene Vertriebs- und Montageniederlassung unter der Leitung von Gunter Sebralla in Berlin für den Bereich Berlin Brandenburg eröffnet.

 

1998 erhielt die Treppenfirma für den Bereich Stahlbau den so genannten „Kleinen Eignungsnachweis“ für Schweißarbeiten nach DIN 18800. Dieses Zertifikat ist die baurechtliche Voraussetzung, um größere Treppenanlagen mit gewerblicher Nutzung oder auch Geländer ab einer bestimmten statischen Anforderung anfertigen zu dürfen. Die Verantwortung hat ein hierfür extra eingestellter Schweißfachmann, der auch für die Arbeitsvorbereitung zuständig ist. Aus Anlass des Betriebsjubiläums erhielt das Unternehmen 2002 die Ehrenurkunde der Handwerkskammer Kassel. Die Firma ist Mitglied der Schreinerinnung Bad Hersfeld-Rotenburg und mit den Fachbereichen Tischlerei und Metallbau in der Handwerksrolle eingetragen. Seit der Firmengründung engagiert sich der Betrieb in der Lehrlingsausbildung und unterstützt neben der eigenen Ausbildung unter anderem auch Ausbildungsmaßnahmen, die von der Kreishandwerkerschaft und anderen Bildungsträgern durchgeführt werden. So wurde 1985 zusammen mit der Kreishandwerkerschaft und dem Arbeitsamt ein Projekt zur Ausbildung von Holzbearbeitern in einer eigens hierfür angemieteten Werkstatt begonnen, dass heute auch auf andere Berufszweige ausgeweitet wurde. Bis heute wurden hier und im eigenen Betrieb insgesamt über 160 junge Menschen zu Tischlern ausgebildet. Einige von ihnen haben auch Ihren Meistertitel in dem Traditionsunternehmen erworben.

 

Aus langer Tradition und über 55-jähriger handwerklicher Erfahrung heraus werden für die Treppenanlagen fast ausschließlich massive Hölzer und keine furnierten Werkstoffe mehr verwendet. Hierdurch unterscheiden sich die handwerklich gefertigten Treppenanlagen meist von den industriell gefertigten Treppen von der „Stange“. Neben den konventionellen Versiegelungssystemen werden seit über 20 Jahren verstärkt umweltschonende Wasserlacke und baubiologisch unbedenkliche Öle und Wachse zum Schutz der Treppen eingesetzt.

 

In 2003 wurden eine Destillieranlage zum Recyceln der in den Lacken enthaltenen Lösungsmittel und eine neue Druckluftanlage in Betrieb genommen. Mit der Destillieranlage wird aus den Lackresten das Lösungsmittel herausgefiltert. Das so gewonnene Destillat wird anschließend wieder als Lösungsmittel bei der Lackierung eingesetzt. Der verbleibende, ausgehärtete Lackrest wird als Gewerbemüll umweltfreundlich entsorgt.

 

2004 wurde im Zuge der Teilnahme an der Waldhessenschau in Bebra auch der Ausstellungsraum renoviert und mit neuen Mustertreppen ausgestattet. Ein völlig neuer Prospekt wurde während der Messe erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab Mitte des Jahres wurde mit dem Umbau einer Holzlagerhalle zu einer Produktionshalle ausschließlich für Edelstahl und Sonderkonstruktionen begonnen. Die Arbeiten wurden zum größten Teil in Eigenleistung erledigt. Mit dieser Investition möchte das Unternehmen seine Kompetenz in Edelstahl mit dem Motto „Perfektion in Holz und Edelstahl“ ausbauen. Fast zeitgleich wurde ein neues Treppenprogramm gekauft und die EDV im kaufmännischen Bereich erneuert. Ende 2004 folgte der Kauf einer speziellen Rundstabfräsmaschine zur Herstellung von geschwungenen, runden Handläufen aus Holz.

 

Der im Vorjahr begonnene Ausbau der Edelstahlhalle wurde 2005 beendet. Die Halle konnte Ende des Jahres endgültig in Betrieb gehen.

Ab 2006 wurde die Angebotspalette erweitert und die Fertigung von Balkonen, Vordächern und Sonderkonstruktionen aus Holz, Glas und Edelstahl auf-genommen. Dieser Bereich hat sich bis 2008 als ein wichtiges weiteres Standbein entwickelt und trägt maßgeblich zum Gesamtumsatz bei.

 

2008 Im Bereich der Schlosserei wurde der Maschinenpark um eine Tafelschere und eine Nippelmaschine erweitert. Diese Investitionen waren notwendig, um der gestiegenen Nachfrage nach Designtreppen und Sonderkonstruktionen gerecht zu werden.

 

2009 Eine neue Metallsäge sorgt dafür, dass auch zukünftig der hohe Qualitätsstandard bei den Treppen und Geländern gehalten und weiter verbessert werden kann. 

 

2011 Seit dem ersten März beginnt die Auditierungsphase zur Erlangung der Qualifikation nach DIN 1090.

 

2011 Im November ist es endlich soweit: Variotreppen erhält die Urkunde über die CE-Zertifizierung nach DIN 1090 für die Exekutionklasse 2 mit
Erweiterung für Chromnickelstähle nach Z 30.3-6. Damit gehört das Unternehmen zu den bundesweit Ersten, die sich nach der
seit dem 01.01.2011 europaweit geltenden Norm für Metallbaubetriebe haben zertifizieren lassen. 

 

2012 Nachdem die 50-Jahrfeier buchstäblich dem Elbehochwasser zum Opfer fiel, konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das 60 zigjährige Jubiläum mit einem
ganztägigen Betriebsausflug feiern. Die Stationen waren ein Besuch des Baumkronenpfads Nähe Eisenach und eine Fahrt mit der Draisine in Lengenfeld auf der alten Kanonenbahn.
Den Abschluss bildete ein Abendessen auf der Tannenburg in Nentershausen.

 

Für die Zukunft sieht die Firma Vario Treppen trotz der momentan widrigen Randbedingungen und einer stetig rückläufigen Baukonjunktur einer positiven Entwicklung entgegen. Eine besondere Fachkompetenz und Leistungsfähigkeit hat sich der Treppenspezialist aus Waldhessen mit seinem qualifizierten Mitarbeitern /-innen im Bereich von Umbau-, Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen erarbeitet. Gerade hier sind die Spezialisten gefragt, wenn ein Treppenproblem unlösbar erscheint. Auch eine zunehmende Nachfrage nach Treppen und Geländern aus Kombinationen von verschiedenen Materialien wie Holz, Glas und Edelstahl sichert dem Unternehmen langfristig genügend Arbeit und Auslastung. Vor Durchführung einer Baumaßnahme ist es wichtig, kompetent und verantwortungsvoll beraten zu werden. Und hierauf legt das Unternehmen besonders großen Wert, getreu dem Motto:"TREPPENKAUF IST VERTRAUENSSACHE"

nach oben